Ort:
Crowne Plaza Hotel, Wiesbaden
Datum:
29. 04. 2006
Anwesende:
Ca. 120 Teilnehmer des Hashimoto und Morbus Basedow Internet Forums.
Einige Nichtmitglieder des Internetforums, informiert durch die lokale Presse.
Anwesende Ärzte:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. L.-A. Hotze
Dr. med. F. Sojitrawalla
Dr. med. Chantal A. Werner
Koordination der Teilnehmer des Forums, Sammlung der Fragen und Vorbereitung
des Seminars:
Herr Michael d´Angelo, Bopfingen
Lokale Koordination:
Frau B. Behrens-Schäfer, Wiesbaden
Unterstützung für Tagungsraum, Verpflegung und Getränke:
Sanofi-Aventis, Berlin
Protokoll der Fragen und Antworten während des Seminars:
Frau Dr. C. A. Werner
Ausarbeitung des Protokolls zum vorliegenden Text:
Frau Dr. Werner
Prof. Hotze
Prof. Hotze dankt eingangs Frau Behrens-Schäfer, lokale Repräsentantin der Firma, für die großzügige Unterstützung von Sanofi-Aventis. Es ist die erste Veranstaltung mit Patienten und Ärzten, die von der Firma unterstützt wird.
Zu Beginn des Seminars kommt die Idee einer Befragung: "Wer hat eine Autoimmunerkrankung
der Schilddrüse?"
Die spontane Umfrage ergibt folgende Zahlen:
Mit Ausnahme von 10 Personen (darunter die 3 Ärzte) im Saal haben sämtliche Anwesenden entweder eine Hashimoto-Thyreoiditis oder einen Morbus Basedow
Herr D´Angelo hatte im Internet Forum zuvor bereits über mehrere Woche lang Fragen gesammelt und diese einige Tage vor dem Seminar Prof. Hotze zugemailt. Prof. Hotze eröffnet das Seminar mit der Vorstellung der gesammelten Fragen durch eine Power Point Präsentation.
Der folgende Beitrag unterteilt sich in 2 Teile:
Teil I enthält Fragen, die im Forum gesammelt wurden und während der Veranstaltung
beantwortet wurden.
Teil II enthält Fragen, die während des Seminars von den Teilnehmern im Saal
gestellt und von den anwesenden Ärzten beantwortet wurden.
Fragen sind mit dem vorangestellten Kürzel "F:"gekennzeichnet,
Antworten mit "A:"
Die Fragen in jedem Teil sind fortlaufend nummeriert.
Schriftlich, über das Forum gestellte Fragen und Antworten
1) Anja
F: "Kann sich Überfunktion in Unterfunktion verwandeln?"
A: Da zur Vortherapie, Art, Dosis und Zeitdauer nichts bekannt ist, ist
keine Detailantwort möglich.
Grundsätzlich ist ein Übergang von einer ÜF in eine UF schon möglich, d.h. aus
einer Immunhyperthyreose kann eine AIT (Autoimmunthyreoiditis) entstehen. Bei
milder Überfunktion kann ein pflanzliches Thyreostatikum (z.B. Thyreologes)
genommen werden.
2) Monika
F: "Haarausfall und AIT: Hilft T3-Salbe - wegen einer Konversionsschwäche
zu T3 dazugegeben?"
A: Unsere Praxis hat keine eigenen Erfahrungen mit der T3-Salbe.
F: Dazu eine Saalfrage: Eine Teilnehmerin nimmt täglich eine viertel
Tabl. Thybon 20 ein. Ist die Salbe praktikabel?
A von Dr. Sojitrawall: Nur bei Haarausfall.
3) Erika
F: "Was unterdrückt TSH eher, T3 oder T4?"
A: T3
4) Ulrike
F: "Hashi und Wechseljahre. Bewertung: Supprimiertes TSH in der Menopause?"
A: Supprimiertes TSH zeigt, dass Hormondosis prinzipiell zu hoch ist.
Dies kann Osteoporose begünstigen. Daher wird es als sinnvoll erachtet, bei
menopausalen Frauen vor bzw. unter thyresuppressiver Schilddrüsenhormondosis,
eine Knochendichtemessung durchzuführen. Wenn die Knochendichte normal ist und
keine Herzerkrankung vorliegt, kann TSH supprimiert sein und bleiben, wenn der
Patient dadurch Vorteile hat (Befinden). Bei Schilddrüsenkrebs wird eine suppressive
Dosis ohnehin aufrechterhalten.
5) Helga
F: "Morbus Basedow: welche Therapie?"
A: Standardvorgehen: 1 Jahr Thyreostase, mit Laborkontrollen alle 4 Wochen.
Wenn nach 1 Jahr keine Remmission, Operation oder Radiojodtherapie.
6) Nicole
F: "Welche Bedeutung haben die postoperativ noch nachweisbarenschilddrüsenspezifischen
Autoantikörper im Serum?"
A: Da nach OP fast immer noch Gewebereste/Zellverbände verbleiben, können
Antikörper positiv bleiben, meistens in geringerer Höhe; da sie SD-spezifisch
sind, greifen sie kein anderes Gewebe an.
7) Denise
F: "Gibt es Jodmangelstruma und AIT gleichzeitig?"
A: Ja, ist möglich. Struma diffusa oder nodosa bestehen oft über Jahre,
später kann eine AIT dazukommen. Die Frage nach Jodmangel kann mit einem Urintest
auf Jod sicher beantwortet werden.
8) Marina
F: "Gibt es Leberenzymerhöhung bei Überfunktion?"
A: Kommt vor: Ursache: erhöhter Metabolismus; gibt es auch bei hochdosierter
Hormontherapie (aber seltener) und häufiger unter Therapie mit Thyreostatika.
F: "Gewichtszunahme unter L-T4 möglich?"
A: Ja, ist möglich: durch Schilddrüsenhormonzufuhr kann die Insulinresistenz
verschlechtert werden.
F: "Maisstärke als Zusatzstoff in Schilddrüsen-Tabletten, gibt es Alternativen?"
A: Gibt es: z. B. das Päparat Berlthyrox (Berlin Chemie) und Lixin Liquid.
F: "Sind Kombipräparate nach OP sinnvoll?"
A: Ja, kann sinnvoll sein, besonders wenn nur geringes Restgewebe übrig
ist.
9) Marianna
F: "Kann L-Thyroxin zum Frühstück eingenommen werden?"
A: Besser ist die Einnahme vor dem Frühstück, da sonst Resorptionsbehinderung
und schwankende Resorption, je nach Nahrungsmittel, auftreten kann.
10) Karin (und Saalfrage)
F: "Blähungen im Laufe des Tages nach L-T4-Einnahme möglich?".
Weitere Saalanmerkung diesbezüglich: Wenn fT4 zu niedrig, dann Blähungen, sonst
nicht.
F: Kann man Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit Schilddrüsenhormoneinnahme
verbessern?
A: Indirekt, durch Verbesserung des Metabolismus möglich.
11) Elke (und Saalfrage)
F: "Zusammenhang zwischen Levothyroxin-Einnahme (wegen Unterfunktion)
und Vorhofflimmern? Gibt es Alternativen zu Betablockern?"
A: Dr. Sojitrawalla vermutet dahinter eine Reizleitungssystemstörung;
Alternativen zu Betablockern: nicht bekannt.
12) Nadine (und Saalfrage)
F: "Sollte bei Morbus Basedow Selen gegeben werden?
A: Grundsätzlich ja. Wie bei Hashimoto: 200 µg Selen täglich.
13) Helga
F: "M. Basedow: gehen nach OP AK zurück?"
A: Ja, gehen meist stark zurück. Nach einer OP ist die ÜF garantiert
weg; bei den allermeisten Patienten ist nach OP eine problemlose Einstellung
mit Schilddrüsenhormon möglich.
14) Gabi (und Saalfrage)
F: "Ab wann ist TSH supprimiert?"
A: Wenn TSH kleiner 0,1 also z.B. 0,05, spricht man von supprimiert.
15) Christiane
F: "Wird bei Hashi OP durchgeführt?"
A: Durchaus, wenn dauerhafte Einstellungsprobleme bestehen, kann eine
vollständige Entfernung eine konstante und stabile Dosierung erleichtern.
16) Joachim (und Saalfrage)
F: "Schwindelsymptomatik und Schilddrüse - Zusammenhang ?"
A: Nur bei Funktionsstörungen relevant.
17) Bianca
F: "Spätschäden durch hochdosierte SD Hormontherapie?"
A: Wenn Nebenwirkungen (Herz, Knochen) auftreten, sollte Dosis reduziert
werden, ansonsten keine Spätschäden.
18) Ellen
F: "Muss bei Hashi immer Nebenniere mit abgeklärt werden?"
A: NN Insuffizienz ist selten, muss nicht unbedingt bei jeder SD Untersuchung
mit untersucht werden. Wenn:
Cortisol und DHEA morgens, gegen 8.00h
Wenn Cortisol Mangel besteht, wird er durch Zufuhr von SD Hormon schlechter
- vermehrte Bildung von Bindungseiweiß, dadurch Absinken des freien Cortisols.
Wie wird das behandelt? Zufuhr von Hydrocortisol, bei M. Addison zusätzlich
Mineralcorticoid, z.B. Astonin H.
19) Karin
F: "Wann kommt es zu TSH Suppression?"
A: Bei hoher T4 Dosis
Bei echter Überfunktion
Bei vorübergehender Überfunktion (Beginn Hashi)
Bei Beginn einer viralen Infektion (Thyreoiditis de Quervain)
Bei Kombipräparaten (fast immer)
20) Katrin
F: "Weiblicher Hormonhaushalt - wie kann er bestimmt werden?"
A: Durch Messung von FSH, LH und Östradiol.
21)Guchva
F: "Wann kommt es bei Kinder zu Hashi, ist Jod in Nahrung schuld?"
A: Bei genetischer Disposition (Mutter), weibl. Geschlecht. Die Frage
nach Jod ist schwierig zu beantworten, da die Jodaufnahme über die Nahrung unterschiedlich
ist und im Einzelfall nicht bekannt ist (keine Kennzeichnungspflicht).
22) Norbert
F: "Einfluss von T3 auf TSH; suppr. TSH bei Kindern schädlich?"
A: T3 ist starker Suppressor von TSH; suppr. TSH bei Kindern nicht schädlich.
23) Petra
F: "Einfluss von Jod nach Schilddrüsen OP?"
A: wenn SD nicht mehr vorhanden, spielt Jod keine Rolle mehr.
24) Gabi
F: "Hat Lichtmangel Einfluss auf SD?"
"Gewichtsverlust bei Dosissteigerung?"
A: Nein; hat Einfluss auf Vitamin D Bildung.
Gewichtsverlust ist möglich.
Fragen und Antworten während des Seminars
1)
F: "Es ist schwierig, eine Thybon 20 Tablette zu vierteln, ist häufig
sehr ungenau"
A: Armour Thyroid als Alternative empfohlen.
2)
F: "Wirkt L-T4 dosisabhängig thyreosuppressiv?"
A: Ja, bei entsprechend hoher Dosis unterdrückt L-T4 die TSH Sekretion
der Hypophyse.
3)
F: "Hormonhaltige Haarwässer: besteht Gefahr der Wirkung auf innere Organe?"
A: Haarwässer, wie z. B. Effluvium, sind nicht systemisch wirksam, d.
h. sie verbleiben in der Kopfhaut; sie haben daher keinen Einfluss auf innere
Organe.
4)
F: "T3-Einnahme: bei einer Halbwertzeit von19 Stunden, wann Blutabnahme?"
A: Zwei bis drei Stunden nach Einnahme, da dann überwiegend an Bindungsproteine
gebunden.
5)
F: "Vigantoletten halfen nicht bei Vitamin D-Mangel, Alternative möglich?"
A: Alpha Calcidol oder Rocaltrol, sind potenter als Vigantoletten.
6)
F: "Mein Sohn hat Struma und fT3-Erhöhung - was bedeutet das?"
A: Kann mit Alter und Wachstum zu tun haben, kommt auch bei Jodmangel
vor; ggfalls Urinjodausscheidung messen lassen.
7)
F: "Ist geologischer Jodmangel echter Jodmangel?"
A: Der Jodmangel ist in den letzten Jahren durch verschiedene Maßnahmen
(jodiertes Tierfutter, Jodsalz) nahezu verschwunden, d.h. die Nahrungsmittel
sind "künstlich" mit Jod angereichert, so dass der geologische Jodmangel keine
Rolle mehr spielt.
8)
F: "Gibt es einen Einfluss von L-T4 Einnahme auf die Leber?"
A: Ja, ein Transaminasenanstieg ist möglich, insbesondere GPT, weniger
GOT und GGT. Anmerkung Herr D´Angelo: 30-40% der Hashis haben wohl eine Fettleber
und deshalb auch einen Transaminasenanstieg.
9) Anmerkung eines Teilnehmers:
Bei ihr bestehe eindeutig eine dosisabhängige Nahrungsmittelunverträglichkeit
und MDT-Beschwerden unter Levothyroxin-Einnahme.
10) Anmerkung eines Teilnehmers:
Sie verspüre Verstärktes Hungergefühl durch Seleneinahme
A: Ist evtl. erklärbar durch zentrale Serotoninstimulation.
11) Herr D´Angelo:
F: "Ob und wann ist Selen auf Kasse möglich?"
A (Dr. Sojitrawalla): Kassen erstatten durchaus, ist von der KV-Region
abhängig.
12)
F: "Wie ist der Zusammenhang: L-T4-Dosis, Insulinresistenz und Selen?"
A: Bereits in Frage 10) Teil II und Frage 8) Teil I beantwortet.
13)
F: "Erhöhte AIT-Anfälligkeit bei Blutgruppe 0?
A: Sowohl Blutgruppe 0 als auch Hashimoto-Thyreoiditis sind häufig, d.h.
unter Hashi-Patienten sind auch ganz viele mit 0; inwieweit ein genetischer
Zusammenhang besteht, ist nicht bekannt.
14)
F: "Zusammenhang zwischen Vitamin E Zufuhr und Unterfunktion?
A: Vitamin E-Gaben können zu einem Schilddrüsenhormonmehrbedarf führen
und bei fehlendem Ausgleich dann zu einem (wenn auch geringen) Mangel führen.
15) Anmerkung eines Teilnehmers:
Vitamin E und Gelenkverschleiß. Laut Prof. Miehlke soll angeblich durch Vitamin
E eine deutliche Besserung möglich sein.
16)
F: "TSH Erniedrigung und Hashimoto?"
TSH spiegelt die Hypophysenfunktion wider, die von Höhe des Schilddrüsenhormons
bestimmt wird, d. h. Dosisabhängig sinkt TSH. Eine hypophysäre Minderproduktion
(sekundäre Hypothyreose) ist äußerst selten.
17) Anmerkung eines Teilnehmers:
Der TSH Referenzbereich in Deutschland ist sehr unterschiedlich (Mitarbeiterin
aus dem Klinikum München)
F: "Wieso ist dies so kontrovers? Warum setzt sich der Bereich von 0,3
bis 2,6 nicht durch?"
A: Manche Ärzte haben neuen Bereich übernommen, andere nicht, viele wissen
es gar nicht. Es gibt ganz aktuelle Arbeit (mehrere Deutsche Unikliniken) dazu:
sie sagt kurz und bündig: lasst alles beim Alten, Therapie bei Werten zwischen
2 und 4,5 schadet eher als sie nützt.
Ein Rechenbeispiel:
In den USA hätten bei Absenkung des TSH auf 2,5 von 4 statt heute13 Millionen
ca. 40 Millionen Menschen eine Schilddrüsenunterfunktion.
Ein amerikanischer Namensvetter von Prof. Hotze, Dr. Steven Hotze aus Houston,
hat in einer Fernsehsendung die Absenkung des TSH Normbereichs gefordert und
damit erboste Briefe mehrerer medizinischer Fachgesellschaften an ihn und den
Sender ausgelöst; Inhalt der Schreiben: lasst alles beim Alten.
18)
F: "Bei Verdacht auf T4-Rezeptorresistenzen: Warum keine vorwiegend klinische
statt Laborblatttherapie?"
A: völlig richtig.
19) Anmerkung eines Teilnehmers:
Zusammenhang: erhöhte Lipide und Hashimoto-Thyreoiditis.
Erst mit L-T4-Gaben trotz Schilddrüsennormwerten sei Lipidsenkung von 500 auf
120 gelungen, als Hinweis auf Endorganresistenz trotz normaler Schilddrüsenblutwerte!
20)
F: "TSH 0,6 und Depressionen unter Amitryptilin-Medikation"
A Herr D´Angelo: " Ben´s Liste" aus dem Internet besorgen, dort sind
gute Tipps bei Depressionen und Hashimoto-Thyreoiditis.
21)
F: "Konzentrationsstörungen bei Hashi?"
A: Ja, können Symptome (Unterfunktion) bei einer Hashimoto-Thyreoiditis
sein.
22)
F: "Warum werden so wenig Progesteron und Kortisolbestimmungen durchgeführt?"
Es gibt ein Votum für verstärkte Abklärung polyendokrinologischer Zusammenhänge.
23)
F: "Frühschwangerschaft, depressive Symptomatik und Hashimoto-Thyreoiditis?
A: In Frühschwangerschaft entsteht nicht selten sog. Schwangerschaftshyperthyreose,
durch das Hormon beta-HCG; es hat ähnliche Wirkung wie TSH, stimuliert also
die Schilddrüse, ab dem 4. Schwangerschaftsmonat kommt es dann meist wieder
Stabilisierung des Allgemeinzustandes.
24)
F: "HRT, Pille und Schilddrüsenhormone: nebeneinander möglich?"
A: Ja
25) Erneut Votum aus dem Saal:
Pille, Progesteronmangel und Depressionen: Zusammenhang werde zuwenig gewürdigt
ärztlicherseits!
26)
F: "Schilddrüsengröße?"
A: Obergrenze bei der Frau: Ca. 15-18 ml, beim Mann: ca. 20-25 ml.
Was darüber liegt, wird als Struma bezeichnet. Echte "Untergrenzen" gibt es
nicht; solange die Funktion in Ordnung ist, ist die Größe unwichtig. Im zeitlichen
Verlauf bei Hashi kann man jedoch häufig eine Verkleinerung, die dann zur Unterfunktion
führt.
27)
F: "Wo sind Haupt-Nebenwirkungen einer L-T4 und T3-Medikation
A: Herz, Knochen, Gewicht
28)
F: "Biochemischer Zusammenhang Nebennierenrinde und Schilddrüse?". "Separater
ACTH-Mangel und im Synakten-Test geringer Kortisolanstieg Im Synakten-Test basales
Kortisol bereits erhöht und kaum/wenig stimulierbar"
A: Laut Lehrbuch ist das Testergebnis nicht unbedingt pathologisch
29) Herr D´Angelo
F: "Warum sind Hausärzte so aufgeregt bei thyreosuppressiv-wirksamer
Schilddrüsenhormondosis?"
A: Liegt an einer Konsenusempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Innere
Medizin: TSH soll möglichst nicht supprimiert sein.
30):
F: "Der TSH-Basalwert ist bereits bei einer Schilddrüsenhormondosis von
50 µg Levothyroxin täglich supprimiert!"
A: Kann sein, deutet aber auf bereits vorhandene Autonomie hin.
31)
F: "Wie oft Verlaufskontrollen der Schilddrüsen-AK, vor allem des TRAK-Wertes?"
Sind sinnvoll vor und bei geplantem Ende eines konservativen Therapieversuches
bei Morbus Basedow.
32)
F: "Kann man sich durch Schilddrüsenhormonüberdosierung dann wieder so
schlecht fühlen wie bei einer Unterfunktion?"
A: Ja
33)
F: "Mischtyp MB und AIT mit starken Schwankungen der Hormonwerte"
A: Schwankungen in der Schilddrüsenfunktion lassen sich beispielsweise
durch Radiojodtherapie beenden.
34)
F: "Haarausfall: Welche Ursachen, wenn nicht Schilddrüse?"
A: Zink, Eisenmangel, Hyperandrogenämie bei Frauen
35)
F: "DHEA-Mangel, aber 5 mg DHEA-Medikation (weiblich) - macht jedoch
noch müder, was tun?"
A: IGF1 bestimmen lassen (Wachstumshormon)
36)
F: "Kinder mit AIT: Wo liegt die TSH-Norm?"
A: Im 4. - 5. Lebensjahr werden Erwachsenenwerte erreicht.
37)
F: "Kind seronegativ für AIT, TSH = 3,82 und Symptome."
A: Kontrolle der Schilddrüsen-AK nach einem halben Jahr, 12,5 - 25 µg
Levothyroxin-Einnahme, TSH Kontrolle in 5 Wochen.
38)
F: "Szintigramm: wann notwendig?"
A: Ist heute zwar seltener indiziert, dennoch beispielsweise in jedem
Fall bei Schilddrüsenknoten.
39)
F: "Welche Bedeutung hat grenzwertiger TRAK-Wert bei AIT?"
Befund ist selten (etwa 10% der Fälle), aber kann durchaus zu Mischform mit
schwankenden Hormonwerten führen.
40).
F: "Kinder und supprimiertes TSH"
A: Bei Kindern ist meist keine thyreosuppressiv wirksame Dosis nötig,
aber wenn doch, dann nicht schädlich .
41)
F: "Erhöhte Talgdrügenaktivität bei erhöhter Thyroxin-/Thybondosis?"
A: Evtl. wegen verstärkter NNR-Aktivität möglich.
42)
F: "Wie entscheidet sich, ob hypertropher oder atropher Verlauf bei AIT?"
A: Hyperthrophe Form ist bei Erwachsenen selten; kommt bei Kindern vor,
geht dann häufig im Erwachsenenalter in die atrophe Form über, möglich ist auch
eine TRAK-Mitreaktion (Stimulation und Wachstum)
43)
F: "Zusammenhang Hashimoto-Thyreoiditis und Altersakne?"
A: Eher andere Ursache, z.B. PCO und Hyperandogenämie
44) Spontanumfrage
18 der Anwesenden im Saal haben noch weitere, zusätzliche Autoimmunreaktionen,
d. h. fast 20%
45)
F: "Insulinresistenz: Wann ist bei AIT´lern Test darauf sinnvoll?"
Kann bei beiden Geschlechter auftreten; Durchführung bei Übergewicht, und bei
Frauen: bei Androgenisierungserscheinungen.
46)
F: "Bluthochdruck und Schilddrüsenfunktion"
A: Bei normaler Funktion auch an Phäochromozytom denken.
47)
F: "Kortisolspeicheltest- Stellenwert?"
A: Soll laut Laborärzten genauer als Bluttest sein.
48)
F: "Retardiertes T3 in Deutschland?"
A: Herstellung sollte prinzipiell auch in Deutschen Apotheken möglich
sein (Saalanmerkung). Sei wohl mittels Methocel (in USA) herstellbar.
49) Spontanumfrage:
Nur drei Anwesende aus dem Saal nehmen bisher Armour Thyroid!
50)
F: "Schilddrüsenhormonantikörper - Stellenwert?"
Sehr selten; dran denken, bei unstimmigen Laborergebnissen
51)
F: "Endokrine Orbitopathie bei Hashimoto?"
Wenn TRAK positiv, dann möglich.
52)
F: "Prävalenz der AIT in Deutschland?"
In den USA gibt es sehr solide Daten.
Die Prävalenz von TPO AK liegt bei 11.3%; allerdings ist die Häufigkeit bei
der weißen Bevölkerung mit 12.3% höher als bei den Afroamerikanern (4.5%). Der
weiße Bevölkerungsanteil liegt bei 82%, das sind absolut ca. 250 Millionen;
der schwarze Bevölkerungsanteil liegt bei 13%, das sind absolut ca. 40 Millionen.
Damit beträgt die absolute Zahl TPO positiver weißer Personen ca. 30 Millionen
(12.3% von 250 Millionen) und die schwarzer Personen ca. 1.8 Millionen (4.5%
von 40 Millionen).
Das Geschlechtsverhältnis der Prävalenz ist ungefähr 1:10 (Mann: Frau), das
Geschlechterverhältnis in der Population hingegen ungefähr 50:50 (ca. 125 Millionen
Frauen) Zählt man ca. 10% der weißen männlichen Population zu der Stichprobe
von 125 Millionen hinzu, erhält man eine Stichprobe von 135 Millionen; rechnet
man mit diesen Zahlen, ergibt sich eine Prävalenz von ca. 23% für weiße Frauen;
da das Vorkommen der Antikörper über alle Altersschichten verteilt ist, sind
auch rund ein Viertel der Frauen mit Kinderwunsch potentiell von einer Unterfunktion
betroffen, die ja bekanntermaßen eine Spontan-Schwangerschaft verhindern kann.
Die Zahlen sind sicher in guter Näherung auf Deutschland übertragbar.
53)
F: "Zusammenhang Fibromyalgie und AIT und Unterfunktion?"
A: Wenn Tenderpoints pos. und AIT mit Unterfunktion: dann Fibromyalgiesymptome
potenziert!
54)
F: "Bedeutung der ASR (Achillessehnenreflexzeit)?"
A: Klinischer Test zur Prüfung Nervenleitgeschwindigkeit
Guter Test, mit der bei Fragen der Dosisfindung eine direkte Wirkung des Schilddrüsenhormons
im Körper (auf die Nervenzellen) gemessen werden kann.
55) Anmerkung eines Teilnehmers:
Unter Kombipräparat weniger rheumatische Beschwerden (hat Herthooge Buch gelesen)
Unter Lixin Liquid (100 µg) und Thybon (25 µg) anstelle zuvor Thyreotom (100/25):
Nur unter diesen beiden Alternativen war Wohlbefinden eingetreten, nicht jedoch
unter Monopräparaten.
56)
F: "Prothyrid Einnahme Schema: 0,5-0-0,5. Nachmittägliche Nüchtereinnahme
ist schwierig."
A: 30-60 Minuten Warten nach dem Essen reicht für ausreichende Resorption.
57)
F: Sublinguale Thyroxineinnahme empfehlenswert?
A: Resorption ist schlechter.
58)
F: "Wegen Ösophagitis soll Tablette zum Frühstück und nicht vor dem Frühstück
genommen werden"
A: Wenn standardisiertes Vorgehen (gleicher Zeitpunkt, gleiches Essen),
kann es gehen.
59)
F: "SSRI (z.B. Cipralex) und L-Thyroxin?"
A: Kein Einfluss auf die Resorption von Thyroxin.
60)
F: "Selen und L-Thyroxin morgens zusammen?"
A: Besser Thyroxin und Selen getrennt einnehmen.
61)
F: "Einfluss von Betablocker auf Thyroxin?"
A: Außer bei Propranolol ist keine Schilddrüsenhormonbeeinflussung bekannt.
62) Anmerkung eines Teilnehmers:
Hat fälschlicherweise wegen Bluthochdrucks Concor eingenommen, Depressionen
bekommen, jetzt Ausschleichen von Concor schwierig.
Tatsächlich war Schilddrüsenfehlfunktion Ursache, nach Ausgleich Besserung.
63)
F: "Cipramil (Citalopram): Welcher Einfluss auf TSH?"
A: Viele Psychopharmaka hemmen Hypothalamus/Hypophyse, häufig verbunden
mit TSH-Erniedrigung; im Einzelfall kann ein Schilddrüsenhormonmehrbedarf bestehen,
wenn Einnahme nicht bekannt ist. Eigentlich würde erniedrigtes TSH eine beginnende
Überfunktion vermuten lassen, es ist aber tatsächlich die Konstellation einer
sekundären Hypothyreose.
Ohne TSH Stimulation beträgt die basale Schilddrüsensekretionsleistung etwa
60-70%.
64)
F: Wird unter Armour Thyroid Einnahme der TSH-Wert supprimiert?"
A: Ja, Dosisabhängig kommt es zur TSH Suppression.
65)
F: Chronischer Kopfschmerz und Hashimotothreoiditis
A: Dr. Sojitrawalla vermutet Quecksilber in den Zähnen als Ursache. Anmerkung
eines Teilnehmers: Spannungskopfschmerzen evtl. auch durch Unterdosierung wegen
Nackensteife möglich.
66)
F: "SD-Krebs durch Tschernobyl Unglück?"
A: Prof. Reiners, Nuklearmediziner aus Würzburg hat sehr viel dazu geforscht
und publiziert: Nur Kinder zwischen vier und sechs Jahren, die in unmittelbarer
Umgebung lebten sind erkrankt: die Zahl stieg um das bis zu 200fache. Glücklicherweise
konnten alle Kinder geheilt werden, auch unter Mithilfe von Reiners, der dafür
Spenden gesammelt hatte, und viele Kinder in seiner Klinik umsonst behandelt
hat.
In Deutschland ist die Zahl der SD Krebserkrankungen nach 1986 nicht gestiegen.
Dr Sojitrwalla: Neben I-131 (HWZ:8 Tage) ist auch das sehr langlebige Cesium
(Cesium-134 HWZ:2 Jahre; Cesium 137 HWZ: 30 Jahre) in Deutschland in die Böden
gelangt. Dort kam es über Pflanzen und Pilze auch in Wildtiere und damit auch
in Menschen. Ob dadurch vermehrt Krebs ausgelöst wurde, lässt sich nicht sicher
recherchieren.
67 Herr D´Angelo
F: "Er zitiert Prof. Grußendorf: Der sagt, jeder Dritte in Deutschland
hat einen Jodmangel?"
A: Es herrscht hier sicher etwas Verwirrung. Richtig ist, dass rund ein
Drittel der Bevölkerung noch Folgen des früheren Jodmangels (Kröpfe, Knoten)
hat. Da die Bevölkerung immer älter wird, wird es sicher noch lange Menschen
geben, die Folgekrankheiten des bis in die 90er Jahre hinein bestehenden Jodmangels
entwickelt haben. Richtig ist aber auch, dass offiziell - nach WHO - Deutschland
seit 2004 eine optimale Jodversorgung aufweist. Damit hat der AKJ eigentlich
seine Daseinsberechtigung verloren.
68)
F: "Gibt es heute überhaupt noch Jodmangestrumen bei Kindern in Deutschland?"
A: Die Zahl der Kröpfe bei Kindern ist drastisch zurückgegangen.
Beispiel: Die Inzidenz der Neugeborenenstruma ist von 10% (1996) auf 1% (2006)
gesunken.
69) Kritik von Teilnehmern:
Schilddrüsensonographie werde von den Ärzten oft nicht qualifiziert beurteilt!
70)
F: "Lymphom und AIT - Zusammenhang?"
A: Sowohl in der Praxis Sojitrawalla (sehr lange Berufserfahrung) als
auch in der Praxis Hotze (lange Berufserfahrung) ist jemals ein Fall eines Lymphoms
bei AIT gesehen worden.
71) Anmerkung eines Teilnehmers:
Strumigene Substanzen in der Ernährung als Ursache für Struma neben der Jodmangelstruma
sollten nicht vergessen werden, vor allem bei Kindern (z.B. Nitrate im Trinkwasser,
Kohlgemüse etc.)
72)
F: "Kann durch frühzeitige L-T4-Gaben der AIT-Verlauf dahingehend begünstigen,
dass sie evtl. sogar fast gestoppt wird?"
A: Es ist unklar und unbekannt, inwieweit dadurch, z.B. bei Kindern hypertrophe
AIT-Form "ausheilt".
73)
F: "Unbehandelte Hypothyreose bei AIT: wann symptomatisch?"
A: Ist individuell sehr unterschiedlich. Grundsätzlich scheinen Männer
längere Kompensationsmöglichkeiten zu haben. Frühsymptome sind häufig: trockene
Haut, Haarausfall, Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsschwäche, Frieren.
74)
F: "Zusammenhang zwischen Leptin und rT3-Konzentration?"
Zusammenhang: Leptinresistenz und Insulinresistenz!
Buchtipp dazu aus dem Saal:
Byron Richards: "Mastering Leptin: The Leptin Diet, Solving Obesity and Preventing
Disease."
Link: http://www.amazon.com/gp/product/0972712119/qid=1149878583/sr=1-4/ref=sr_1_4/104-9214293-2528713?s=books&v=glance&n=283155
A: Bei adipösen AIT´lern ist eine zusätzliche T3-Gabe evtl. problematisch
wegen drohender Zunahme einer bereits vorbestehenden Insulinresistenz.
Schilddrüsenhormon kann eine bereits bestehende Insulinresistenz verschlechtern,
so dass im Gegensatz zur gängigen Meinung - bei Überversorgung mit Hormon sinkt
das Gewicht - genau das Gegenteil eintreten kann. Die Insulinwirkung an den
metabolisch wirksamen Muskelzellen sinkt, Kohlehydrate werden vermehrt in Speicherfett
umgewandelt.
Daher: bei T3 Zusatz müssen Vor- und Nachteile gegeneinander betrachtet werden:
Nachteile v. a. D. auf Herz und Gewicht.
Dazu Anmerkung eines Teilnehmers:
T3-Einnahme macht bei ihr vermehrtes Hungergefühl.
A: Das bedeutet, dass Insulin im Blut vorhanden ist, aber schlechter
verwertet wird und signalisiert - Kohlehydrate werden benötig. Diese werden
aber aufgrund der behinderten Wirkung an den metabolisch aktiven Zellen nicht
in Energie umgesetzt.
F: "Behandlung der Insulinsresistenz?"
A: Metformin, anfangs 2 x 500 mg pro Tag, Steigerung bis auf 4 x 500
mg möglich. Metformin wird auch bei Kinderwunsch und PCO Syndrom eingesetzt.
Bei PCO besteht häufig eine Hyperandrogenämie, die fast immer mit einer erhöhten
Insulinresistenz verbunden ist. In der Endokrinologie der Uni Essen (Prof. Jansen,
Ansprechpartner) wird derzeit eine Studie zu PCO, Kinderwunschpatienten und
Metformin durchgeführt..
75)
F: "Metformin: Wie lange Einnahme bevor Effekt auf das Gewicht ?"
A: Drei bis sechs Monate.
76) Abschließend:
Erörterung und Diskussion der unterschiedlichen Maßnahmen zur Bestimmung der
Insulinresistenz und der Möglichkeiten einer Gewichtsreduktion:
Themen: Oraler Glucose Belastungstest mit Bestimmung von Glucose und Insulin
inkl. Interpretation der Ergebnisse, Lipidprofil, BMI, Kalorienreduktion, Kalorienmehrverbrauch,
Ernährungsumstellung, körperliches Training, medikamentöse Begleittherapie.#
Genau 100 Fragen (24 in Teil I und 76 in Teil II) zu unterschiedlichen Themen im Zusammenhang mit der Hashimoto-Thyreoiditis bildeten die Grundlage des diesjährigen, mittlerweile 7. Wiesbadener Arzt-Patientenseminars. Die Vielfalt der Themen zeigt die Komplexität des Krankheitsbildes und macht deutlich, dass die Erkrankung - zumindest für einen Teil der Betroffenen - eben nicht "harmlos", "unproblematisch", "kriegen wir leicht in den Griff" ist, wie viele Betroffene - glaubhaft - von vielen Ärzten gehört haben. Die Probleme reichen von der - oft - verspäteten Diagnosestellung mit Problemen, eine adäquate Dosierung aufzubauen, der Dosisfindung generell, begleitenden anderen Autoimmunerkrankungen, Interferenzen mit anderen Hormonsystemen - insbesondere das weibliche Hormon Östrogen bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Menopause - bis hin zum Themenkomplex des (zu Recht) gefürchteten Übergewichts - und - weiterer äußerst unangenehmer Erkrankungen wie Diabetes, Hyperlipidämie und metabolisches Syndrom, die ihrerseits wiederum Grundlage für Folgekrankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen etc.) sind.
Autoren:
Dr. med. Chantal A. Werner
Prof. Dr. med. Dr. h. c. L.-A. Hotze
PS: Die Autoren bringen ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Sanofi-Aventis weitere Seminare dieser Art unterstützen wird.