| Das 5. Ärzte-Patienten-Seminar fand am 08. Mai 2004
bei Prof. Dr. med. Lothar-Andreas Hotze in Mainz-Kastel statt.
Insgesamt 31 Patientinnen und Patienten trafen sich zum 5. Ärzte-Patienten-Seminar
in Mainz mit dem Bei diesem Einsteigerseminar wurden vor allem grundlegende Fragen zu autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen diskutiert und beantwortet. Der folgende Report stellt eine Auswahl der diskutierten Fragen dar.
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Frage: Ich habe Hashimoto und starken Haarausfall, hängt dies zusammen?
Antwort: Haarausfall kann sowohl bei einer Schilddrüsenüber- als auch
bei einer Unterfunktion vorkommen und bessert sich meist, wenn sich durch eine
entsprechende Therapie mit eine euthyreote Stoffwechsellage einstellt. Außerdem
sollte geprüft werden, ob ein Zink- und/oder Eisenmangel besteht.
Kreisrunder Haarausfall (alopecia areata) ist eine eigenständige Erkrankung,
die sich durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen nicht beeinflussen lässt. Für
kreisrunden Haarausfall gibt es in beschränkter Form Hilfe mit Medikamenten,
die die Kopfhaut reizen und somit die Haarwurzeln zur Produktion anregen. Das
Präparat heiß Diphenylcyclopropenon (DPC).Es handelt sich um eine sog. topische
Immuntherapie. Durch Auftragen von DPC wird eine allergische Kontaktreaktion
an der Kopfhaut ausgelöst.
Frage: Ich leide unter trockenen Augen, einer trockenen Nase etc.
seit ich Hashimoto habe. Gibt es einen Zusammenhang?
Antwort: Trockene Schleimhäute können ein Zeichen für eine Unterfunktion
sein. Es kann sich aber auch zusätzlich um ein Sicca-Syndrom handeln, welches
eine eigenständige Autoimmunerkrankung darstellt. Das Sicca-Syndrom kann man
nicht ursächlich, sondern nur symptomatisch behandeln (Nasendusche, Augentropfen).
Frage: Ist es bei Morbus Basedow oder Hashimoto Thyreoiditis sinnvoll,
weitere Hormone zu testen? Ich denke beispielsweise an Geschlechtshormone.
Antwort: Ein endokrinologischer Check ist sinnvoll, wenn Beschwerden
bestehen, die auf eine Verschiebung weiterer Hormone hindeuten.
Frage: Haben Autoimmun-Erkrankte ein höheres Risiko, Allergien zu
entwickeln?
Antwort: Es gibt keinen überdurchschnittlichen Zusammenhang zwischen
Allergien und SD-Autoimmunerkrankungen. Allerdings ist das Risiko, weitere Autoimmunerkrankungen
zu entwickeln, erhöht. So kommt es öfter zu "Nebenbaustellen", wie z. B. bei
Hashimoto oft zu Vitiligo (= Weißfleckenkrankheit)
Vitiligo-Erkrankte haben in einem hohen Ausmaß (über 90%) auch Hashimoto.
Frage: Seit ich Hashimoto habe, sind sowohl meine Leber- als auch
meine Cholesterinwerte erhöht. Habe ich weitere Erkrankungen zu befürchten?
Antwort: Bei Hashimoto kann es Überfunktionsphasen zu erhöhten Leberwerten
kommen. Auch eine autoimmun bedingte Gallenwegsentzündung kann zu hohen Leberwerten
führen. Ebenfalls sollte an eine (autoimmune) Hepatitis gedacht werden.
Bei hohen Cholesterinwerten sollte das Verhältnis vom so genannten "guten" und
"schlechten" Cholesterin betrachtet werden. Ist nur der LDL-Wert hoch, sollte
über eine medikamentöse Therapie nachgedacht werden, ist zum LDL-Wert auch der
HDL-Wert (" gutes Cholesterin) erhöht (z. B. über 100), ist keine Therapie notwendig.
Frage: Meine Regel kommt nur sehr ungleichmäßig, kann das mit der
Hashimoto-Thyreoiditis zusammenhängen?
Antwort: Während des Zyklus schwankt der Östrogenwert im Blut, damit
schwankt auch (in geringem Umfang) die Produktion der Transportglobuline für
Hormone.
Ein typisches Symptom einer Unterfunktion ist somit auch die Verschiebung des
Zyklus bzw. ein verlängerter Zyklus.
Frage: Ich leide unter Migräneattacken. Gibt es auch hier ein Zusammenhang
mit einer Schilddrüsenerkrankung?
Antwort: Manche Hashimoto-Patienten berichten von Migräne. Meist bessert
sich das Problem mit einer guten Hormoneinstellung. In einer Unterfunktion können
starke und häufigere Migräneattacken vorkommen.
Frage: Ich habe gehört, dass man eine bestehende Unterfunktion auch
der Nervenleitgeschwindigkeit sehen kann. Was bedeutet das?
Antwort: Die Nerven-Reflexzeiten verändern sich in einer Unterfunktion.
Die Übertragung der Nerven-Impulse auf die Muskulatur ist verlangsamt, die Nervenleitgeschwindigkeit
herabgesetzt. Theoretisch wäre die Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit
ein zuverlässiger Marker, allerdings ist diese Untersuchungsmethode nicht verbreitet,
die Bestimmung des basalen TSH ist kostengünstiger und deswegen heutzutage Standard.
Frage: Mir hat jemand erzählt, frühzeitige graue Haare wären ein Körperzeichen
einer Unterfunktion. Stimmt das?
Antwort: Neben den üblichen Symptomen einer Unterfunktion, gibt es weitere
Körperzeichen, die auf eine Unterfunktion hindeuten können. Dazu gehören beispielsweise
seitlich ausgedünnte Augenbrauen. Auf eine Unterfunktion deuten ebenfalls Abdrücke
der Zahnreihen auf dem Außenrand der Zunge (Ödembildung), oder brüchige Nägel.
Der Dachverband der amerikanischen Selbsthilfegruppen hat kürzlich Frisöre darüber
informiert, dass bei frühzeitig ergrauten Personen (unter 30 Jahren) ein deutlich
erhöhtes Risiko besteht, dass sie eine Hashimoto-Thyreoiditis haben.
Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen einer Insulinresistenz
und SD-Hormonen?
Antwort: Eine bestehende Insulinresistenz oder ein Diabetes verschlechtert
sich, wenn mehr Schilddrüsenhormon im Blut vorhanden ist - also bei einer Überfunktion
oder einer zu hohen Hormonzufuhr, so steigt z. B. bei einem Diabetiker der Insulinbedarf,
wenn er eine SD-Überfunktion entwickelt.
Wenig bekannt ist auch, dass es zu Beginn einer Überfunktion zu einer Körpergewichtszunahme
kommen kann, da sich eine schon bestehende Insulinresistenz verschlechtert,
damit können die im Blut zirkulierenden Kohlenhydrate schlechter in die Körperzellen
gelangen und werden vermehrt im Fettgewebe gespeichert.
Frage: Wenn eine Blutentnahme zur Bestimmung der SD-Hormonwerte ansteht,
soll ich meine Hormontablette vorher nehmen oder nicht?
Antwort: Vor einer Blutentnahme sollen keine Hormone eingenommen werden.
Die SD-Hormonwerte werden durch die Hormoneinnahme höher gemessen. Der TSH-Wert
ist allerdings "träge", ihm macht eine vorherige Hormoneinnahme nichts.
Frage: Und beim Szintigramm, soll ich da vorher die Hormone aussetzen?
Antwort: Hier gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Manche Ärzte machen
Szintigramme mit vorheriger 1-2 wöchiger Hormonpause. Andere Ärzte machen es
mit Hormonen. In beiden Fällen hat man eine Aussage.
Frage: Mein Arzt misst bei der Blutuntersuchung immer T3 und T4, ich
habe gelesen, fT3 und fT4 seien aussagekräftiger. Warum werden dann nicht auch
die fT-Werte bestimmt?
Antwort: Grundsätzlich sollten immer die freien Hormone bestimmt werden,
die Gesamthormone sind von der Höhe der Bindungsproteine abhängig, diese wiederum
können durch viele Faktoren (z.B. Einnahme von Medikamenten) verändert sein.
Frage: Wie aussagekräftig ist der TSH-Wert? Kann man nur anhand dieses
Wertes eine Unterfunktion feststellen?
Antwort: Der TSH-Wert ist der wichtigste Parameter zu Beurteilung der
SD-Funktion. Ebenso wichtig jedoch ist das Befinden des Patienten. Das Verhältnis
von TSH zu fT3/Tt4 ist bei jedem verschieden, daher können die Schilddrüsenhormone
sich schon verändert haben, bevor das TSH außerhalb des Normbereichs liegt.
Frage: Ich habe gehört, die Normwerte für den TSH-Wert sind jetzt
enger gefasst worden, die Obergrenze soll nun deutlich nach unten korrigiert
worden sein. Stimmt das?
Antwort: Es gibt tatsächlich neue Normwerte für den TSH-Wert. Ab einem
TSH von 2 - 2,5 geht man heute von einer Unterfunktion aus.
Bei einem SD-Gesunden liegt der TSH-Wert zwischen 1-2.
Die alten Normwerte wurden in den 80ern festgelegt, zu dieser Zeit waren die
Labormethoden noch nicht so genau wie heute. Damals konnte man auch die Antikörper
nicht so exakt bestimmen wie heute, daher waren viele noch nicht entdeckte Hashimoto
Patienten in dem Kollektiv, an Hand dessen die Normwerte festgelegt wurden.
Die Firma Henning Berlin (www.henning.de)
verschickt übrigens Informationen zu den neuen Normwerten.
Frage: Bedeutet eine Senkung des Antikörpertiters im Blutbild auch
eine Senkung der Krankheitsaktivität?
Antwort: Sinken die Antikörper deutlich, ist auch die Krankheitsaktivität
geringer. Allerdings schwankt die Höhe des Titers oft auch stark innerhalb von
wenigen Wochen, so dass sich schwerlich ein wirklich verlässliches Bild gewinnen
lässt. Beim Antikörpertest wird der Überschuss im Blut gemessen und nicht die
Antikörper, die in der Schilddrüse selbst aktiv sind; dies lässt sich jedoch
nicht (unter Praxisbedingungen) feststellen.

Frage: Was ist T1 und T2?
Antwort: T1 und T2 sind neben T3 und T4 weitere Schilddrüsenhormone.
Ob diese eine biologische Funktion haben, ist nicht geklärt (siehe hierzu auch
die Frage zu Armour-Thyroid). Angeblich hat das T2 eine Stoffwechselfunktion.
Andere Experten sagen, T1 und T2 sind nur Abbauhormone aus T3 und T4. Es gibt
hierzu keine greifbaren klinischen Ergebnisse.
Frage: Ich habe häufig hohe Entzündungswerte im Blut. Besteht ein
Zusammenhang mit Hashimoto?
Antwort: Viele Hashimoto-Erkrankte haben erhöhte Entzündungswerte im
Blut, CRP und BSG sind dann über der Norm. Wenn Schilddrüsengewebe zugrunde
geht (Zerstörung bei Hashimoto), steigen diese Werte. Es sollten aber immer
auch andere akute Entzündungen ausgeschlossen werden.
Frage: Mein Nuklearmediziner berät mich nicht richtig, ich komme mir
eher vor wie in einem Massenbetrieb. Warum ist das so?
Antwort: Nuklearmediziner sind - neben spezialisierten Internisten -
die Ärzte mit der besten Ausbildung bezüglich Schilddrüsenerkrankungen. Sie
führen die vom Hausarzt angeforderten Untersuchungen durch und geben ihre Befunde
dann an den Hausarzt weiter. Aufgrund der hohen Patientenzahl ist es den Nuklearmedizinern
kaum möglich, mit jedem Patienten ein ausführliches Gespräch über die Befunde
zu führen. Damit ist es dann die Aufgabe des Hausarztes, die Befunde zu erklären
und den Patienten zu informieren.
Nicht alle Hausärzte haben jedoch genug Fachwissen, um auf spezielle Probleme
der Patienten einzugehen. Bei der Vielzahl der Erkrankungen, die ein Hausarzt
kennen muss, ist es normal, dass er nicht jede Erkrankung bis ins Kleinste kennen
kann. Wenn also spezielle Fragen offen bleiben, sollte man deswegen den Nuklearmediziner
ruhig explizit darauf ansprechen.
Frage: Welche Vor- und Nachteile hat eine Operation bei Hashimoto?
Antwort: Wenn die Schilddrüse entfernt ist, entfällt ihr Einfluss. Das
macht die medikamentöse Behandlung leichter (gilt auch für Morbus Basedow).
Die Antikörper bleiben meist erhöht, da kleine Reste übrig bleiben. Diese Lösung
ist dauerhaft. Bleiben größere Reste stehen, kann die Schilddrüse nachwachsen;
dann kann beispielsweise auch wieder ein Basedow entstehen.
Das Risiko einer Stimmbandverletzung ist heute durch so genanntes Neuromonitoring
äußerst gering.
Frage: Zwei verschiedene Ärzte haben bei mir einen Schilddrüsen-Ultraschall
gemacht, mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich der Größe der Schilddrüse.
Wie kann das sein?
Antwort: Bei Hashimoto ist die Schilddrüse im Ultraschall oft sehr dunkel
(echoarm) und damit schlecht zu erkennen und vom umgebenden Gewebe zu unterscheiden.
Während eine gesunde echonormale Schilddrüse den Schall kräftig zurückwirft
und damit leicht und schnell zu vermessen ist, ist die Vermessung einer echoarmen
dunklen Hashimoto-Schilddrüse zeitintensiver und von der Erfahrung des Arztes
abhängig.
Frage: Wie kann man Zysten und Knoten im Ultraschall voneinander unterscheiden?
Antwort: Zysten sind flüssigkeitsgefüllt, Knoten bestehen aus solidem
Gewebe. Flüssigkeit (Blut oder Gewebsflüssigkeit) kann im Ultraschall gut erkannt
werden.
Frage: Welche Form der Hashimoto gibt es häufiger, die hypertrophe
oder die atropische Hashimoto und warum?
Antwort: Die hypertrophe Form der Hashimoto, also die, bei der die Schilddrüse
anwächst, kommt bei Kindern und Jugendlichen häufiger vor, ist bei Erwachsenen
relativ selten. Auch bei der atropischen Form, also der schrumpfenden Form verschwindet
das Gewebe in den seltensten Fällen wirklich ganz. Häufig kommt der Prozess
bei einer Restgröße zwischen 3-7 ml zum Stillstand.
Frage: Wie genau sind Antikörpertests?
Antwort: Neue Tests, wie etwa der TRAK-Human sind sehr genau und haben
keine Fremdeinwirkungen. Der Normbereich bei TRAK-Human liegt unter 1.
Alte Tests waren nicht so exakt, etwa 20% der Patienten, die früher durch diese
Tests "durchgefallen" wären, werden heute erkannt.
Die Antikörpertests für Morbus Basedow machen nur ein oder zwei Firmen, Die
Antikörpertests für die Hashimoto Thyreoiditis werden von mehreren Firmen angeboten.
Frage: Stimmt es, dass die durchschnittliche Größe von gesunden Schilddrüsen
in den letzten Jahren abgenommen hat?
Antwort: In Gegenden mit guter Jodversorgung werden die Schilddrüsen
kleiner. Die heutigen Normgrößen von 15 bis 18 ml für Frauen und 20 bis 25 ml
für Männer sind über 20 Jahre alt, heute ist die normale gesunde Schilddrüse
oft kleiner als diese Norm. In 10 Jahren werden die heutigen Normwerte nach
unten korrigiert werden.
Frage: Wie häufig sind Schilddrüsenerkrankungen in Deutschland, auch
im Hinblick auf Jodmangel?
Antwort: Das Krankheitsspektrum verschiebt sich von Jodmangelerkrankungen
hin zu Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse. An der Hashimoto Thyreoiditis
leiden in Deutschland etwa 10% der Bevölkerung, etwa 3% an Morbus Basedow.
Frage: Wenn heute SD-Erkrankungen aufgrund von Jodmangel selten sind,
wie kommt es, dass immer noch überall vom Jodmangelgebiet Deutschland gesprochen
wird?
Antwort: In den 80er und 90er Jahren wurde verstärkt auf Jodmangel in
Deutschland hingewiesen und Jodsalz, Jodtabletten propagiert. Viele Ärztekongresse
in den 90ern wurden zum Thema Jodmangel abgehalten, deswegen ist diese Lehrmeinung
heute unter den Ärzten so verbreitet.
Erst seit 96/97 ist die Jodversorgung in Deutschland als besser zu bezeichnen.
Im Jahr 2000 betrug die Jodzufuhr beim Erwachsenen durchschnittlich 112-126µg.
1996 waren es noch 58-85µg und 1975 nur 30-70µg. Die Jodversorgung hat sich
also innerhalb von 25 Jahren vervierfacht.
Viele, auch viele Ärzte, haben diese Entwicklung nicht verfolgt und sind sich
nicht bewusst, dass Jod nicht für alle gut ist.
Der Zusammenhang von Jod und Hashimoto wurde allerdings auf den letzten Ärztekongressen
in Heidelberg eindeutig bejaht. Somit sollte es heute eigentlich als bekannt
vorausgesetzt werden und es entspricht auch der aktuellen Lehrmeinung.
Frage: Kann eine Hashimoto Thyreoiditis denn wirklich durch Jod ausgelöst
werden?
Antwort: Bei entsprechender Veranlagung trägt eine höhere Jodzufuhr zur
früheren Auslösung einer Autoimmunthyreoiditis bei.
Frage: Gibt es Vergleiche zwischen den USA und Deutschland, was die
Auswirkungen der Jodierung von Lebensmitteln angeht? Dort wird ja fast alles
jodiert.
Antwort: In den USA ist Jod hauptsächlich im Mehl zur Brotherstellung
zugesetzt. Interessanterweise geht dort aber die alimentäre Jodzufuhr zurück
und gleicht sich der in Deutschland an.
Frage: Ist Kindern und Schwangeren die Einnahme von Jod zu empfehlen?
Antwort: Wer selbst Morbus Basedow oder Hashimoto hat, wird seine Kinder
regelmäßig testen lassen und nicht ohne den sicheren Ausschluss einer dieser
Krankheiten Jodtabletten verordnen lassen.
Jodtabletten in der Schwangerschaft werden heute noch empfohlen, für Gesunde
ist dies unproblematisch.
Frage: Wie ist es mit jodhaltigen Desinfektionsmitteln bzw. Salben?
Muss ich darauf achten, bzw. meine Ärzte diesbezüglich darauf hinweisen, dass
ich Basedow bzw. Hashimoto habe?
Antwort: Desinfektionsmittel können sehr hohe Mengen Jod aufweisen! Vor
anstehenden Operationen sollte man deswegen unbedingt darauf hinweisen. Auch
jodhaltige Salben oder Desinfektionsmittel für den Hausgebrauch (z. B. Betaisodonna)
sind bei bekannter Basedow Krankheit zu vermeiden. Jod wird über die Haut sehr
gut aufgenommen.
Frage: Inwieweit spielt die genetische Disposition bei Hashimoto oder
Basedow eine Rolle?
Antwort: Die genetische Disposition macht etwa 50% aus.
Frage: Gibt es tatsächlich mehr Frauen als Männer, die an Hashimoto
erkrankt sind?
Antwort: Ja, das Verhältnis von Hashimoto-Frauen zu Männern liegt bei
9:1.
Frage: Auf was sollte man in der Pubertät achten, wenn das Kind an
einer Hashimoto Thyreoiditis leiden, bzw. der Verdacht auf Hashimoto besteht?
Antwort: In der Pubertät wird der SD-Hormonbedarf größer. Die gesunde
Schilddrüse kommt mit der vermehrten Produktion von Hormon zurecht. Erste Anzeichen
einer beginnenden Unterfunktion sollten bei Kindern möglichst frühzeitig behandelt
werden. Ein erhöhtes TSH zusammen mit einem erhöhten T3 ist ein frühes Zeichen
für eine Unterfunktion: der Körper bildet aus dem verfügbaren Hormon verstärkt
T3, damit versucht er, die Unterfunktion zu kompensieren, so lange es geht.
Je früher man eine SD Unterfunktion ausgleicht desto besser im Hinblick auf
die Entwicklung.
Frage: Wie hängen Hashimoto und Morbus Basedow zusammen, kann man
beides haben?
Antwort: Beides sind Autoimmunerkrankungen, die sich gegen die Schilddrüse
richten. Im Normalfall sind sie voneinander unabhängig, d.h. der Patient hat
entweder die eine oder die andere Erkrankung. Es gibt allerdings Mischformen,
manche Patienten haben beispielsweise ein halbes Jahr lang eine Unterfunktion,
dann kommt die Überfunktion wieder.
So lange bei Hashimoto auch TRAK (MB-Antikörper) nachweisbar sind, ist eine
Basedow-Komponente vorhanden, in manchen Fällen sind beide Komponenten gleich
stark ausgeprägt.
Frage: Darf ich mit einer Hashimoto Thyreoiditis oder einem Morbus
Basedow Blut spenden?
Antwort: Es gibt Blutspendedienste, die Blut von Autoimmunkranken ablehnen.
Dies hat bei Hashimoto weniger mit dem Risiko einer möglichen Übertragung der
Krankheit zu tun, als eher mit rechtlichen Gründen. Man will sich vor etwaigen
Klagen schützen, falls es zu Fragen bezüglich "verseuchten Blutes" und damit
verursachten Krankheiten kommen könnte. Bei Hashimoto werden die Antikörper
aber nicht übertragen, auch nicht von der Mutter auf das ungeborene Kind.
Frage: Wie oft kommt es in ihrer Praxis zu einem Rückfall bei Morbus
Basedow?
Antwort: Statistiken zeigen eine Remissionsrate von ca. 40% innerhalb
des Beobachtungszeitraumes.
Zahlen über lebenslange Remissionen von MB sind jedoch schwer zu ermitteln,
da nie jeder einzelne Patient über Jahre hinweg wieder kommt. Rezidive können
durchaus z. B. erst nach zehn Jahren Stabilität auftreten.
Frage: Stimmt es, dass eine Hashimoto Thyreoiditis oft nach einer
Schwangerschaft ausbricht?
Antwort: Die sogenannte "Schwangerschaftsform" von Hashimoto bricht meist
direkt nach der Entbindung mit einer Überfunktion aus, die dann schleichend
in einer Unterfunktion endet.

Frage: Wie macht man eine gute Hormoneinstellung? Welche Tips haben
Sie zur Erhöhung der Schilddrüsenhormone?
Antwort: Eine Anpassung der Hormondosis funktioniert am Besten schleichend,
maximal in 25µg-Schritten. Erfahrungsgemäß werden schnellere Steigerungen schlecht
vertragen. Gesunde Schilddrüsen stecken höhere Hormondosen meist locker weg,
indem sie ihre Produktion zügig herabfahren, bei erkrankten Schilddrüsen kann
man diesbezüglich keine Prognose treffen. Wie gut Steigerungen vertragen werden,
hängt von der körperlichen Konstitution ab und davon, wie lange und intensiv
eine Über- oder Unterfunktion vorher bestand. Frauen reagieren auf hormonelle
Veränderungen meist empfindlicher als Männer, das gilt auch für die Einstellung
mit Schilddrüsenhormonen.
Die Blutwerte sind dabei Richtwerte um die herum man eine Feinabstimmung ausprobieren
muss.
Frage: Welche Therapieform ist bei Morbus Basedow besser: reines Thyreostatikum
(Carbimazol) oder Thyreostatikum plus SD-Hormone (Thyroxin)?
Antwort: Man kann sowohl Carbimazol mit Thyroxin geben, als auch Carbimazol
geringer dosieren. Beide Verfahren haben die gleiche Erfolgsquote.
Frage: Muss ich bei der gleichzeitigen Einnahme von Schilddrüsenhormonen
und Cortison etwas beachten?
Antwort: Ein erhöhter Cortisonspiegel verstärkt die Wirkung der SD-Hormone.
Ein niedriges Cortison im Blut kann hohe Mengen an Thyroxin vertragen, deswegen
sollte man immer den Cortisonspiegel prüfen, wenn Patienten ungewöhnlich hohe
Dosen an Thyroxin vertragen.
Ebenso bleibt bei manchen Patienten der TSH-Wert trotz Hormonsubstitution und
gutem Befinden hoch. Auch hier sollte man das Cortison bestimmen
Wird also Cortison von außen zugeführt, verbessert dies die Wirkung von Thyroxin.
Dies kann unter Umständen zu einer Überdosierung führen.
Frage: Darf ich bei Hashimoto Echinazin gegen Erkältungen einnehmen?
Antwort: Bei Autoimmunerkrankungen und chronischen Entzündungen sollte
man kein Echinazin nehmen, so steht es auf der Produktinformation des Herstellers.
Wahrscheinlich dient dies eher der rechtlichen Absicherung; wir haben in der
Praxis bei Hashimoto-Patienten, die immunstärkende Mittel nehmen keine Nachteile
gesehen.
Frage: Welche Rolle spielt das so genannte Armour- oder Nature-Thyroid
in der Behandlung von Hashimoto?
Antwort: Armour-Thyroid ist Schilddrüsenhormon aus der getrockneten Schweineschilddrüse.
Es ist zur Behandlung von Schilddrüsenunterfunktionen theoretisch das Beste.
Patienten berichten von sehr guten Erfahrungen mit dem Medikament, insbesondere
von kontinuierlicher Wachheit.
Dafür kann es mehrere Gründe geben.
Das Hormon im Armour-Thyroid wird langsamer freigesetzt als bei synthetischen
Hormonen, da es noch an Bindungseiweiße gebunden ist. Es ist mit dem menschlichen
Schilddrüsenhormon nicht ganz identisch und wird deswegen anders an den Rezeptoren
verteilt. Der Gehalt von T3 ist bei Armour Thyroid ist höher als bei den üblichen
synthetischen Kombinationsmedikamenten, ohne dass es die gleichen Auswirkungen
wie bei synthetischen hat. Es wird diskutiert, dass die ebenfalls enthaltenen
Hormone T1 und T2 eine Rolle für die bessere Verträglichkeit spielen.
Etwas ähnliches wie Armour-Thyroid gab es früher auch in Deutschland, ist aber
schon lange vom Markt. Man kann aber davon ausgehen, dass es nicht an Bedenken
bezüglich einer etwaigen gesundheitsschädlichen Wirkung lag. Da Armour in den
USA zugelassen und nach wie vor eingesetzt wird, ist es unbedenklich (Klagen).
Synthetisch hergestelltes Hormon ist in der Produktion sehr viel billiger;
1 Grain Armour-Thyroid kosten in Deutschland ca. 40-50 Euro pro Therapie-Monat,
zum Vergleich: 100 µg L-Thyroxin kosten nur etwa 8 Euro pro monatliche Therapie,
außerdem wird Armour von den gesetzlichen Versicherungen nicht erstattet (allerdings
schon von den Privaten).
Frage: Mein Arzt sagt, ich könne Dosisänderungen von 25µg Thyroxin
gar nicht merken. Ich reagiere aber sehr heftig darauf. Wie kann das sein?
Antwort: Die Einstellung mit Schilddrüsen-Hormonen oder Hormonschwankungen
werden extrem unterschiedlich wahrgenommen. Manche Patienten reagieren auf kleine
Dosisänderungen sehr stark, andere überhaupt nicht. Man muss bedenken, dass
die Regelung der Hormone, die der Körper sonst automatisch und völlig selbständig
macht, jetzt von außen behelfsmäßig erfolgt.
Frage: Wie handhaben Sie es in Ihrer Praxis mit Auslassversuchen bei
Morbus Basedow?
Antwort: Die Standardvorgehensweise sieht einen Auslassversuch nach einem
Jahr vor, wenn das TSH nicht mehr supprimiert ist.
Bei einer Behandlung des Basedow bleibt das TSH oft niedrig, auch wenn die peripheren
Hormone T3 und T4 in der Norm sind. Man sollte erst an einen Auslassversuch
denken, wenn das TSH gut messbar ist.
Frage: Beeinflusst die Einnahme der Antibabypille die Dosis der Schilddrüsenhormone?
Antwort: Die Pille, genauer gesagt das Östrogen in der Pille, verstärkt
die die Eiweißproduktion der Leber und damit die Eiweißbindung der SD-Hormone.
Das bedeutet, dem Körper stehen weniger freie Schilddrüsenhormone zur Verfügung.
Deswegen kann die Dosis der Schilddrüsenhormone meist leicht nach oben korrigiert
werden, wenn mit der Einnahme der Antibabypille begonnen wird. Dasselbe gilt
für die Dreimonatsspritze.
Frage: Gibt es Bedenken bezüglich Fasten bei Hashimoto?
Antwort: Bei Hashimoto sollte das Fasten keine gesundheitlichen Auswirkungen
haben. Beim Fasten geht die Konversion von T4 zu T3 zurück, das muss bei der
Interpretation der Blutwerte berücksichtigt werden.
Frage: Welche Empfehlungen haben sie generell für eine Diät bei einer
Unterfunktion.
Antwort: So lange die Unterfunktion besteht, nimmt man schwerlich an
Gewicht ab. Ist die Stoffwechsellage euthyreot, kann man eher Erfolge erzielen.
Neuere Empfehlungen von amerikanischen Ernährungsgesellschaften lauten: keine
"schlechten Kohlenhydrate", Stichwort: Low Carb. Die Ernährung sollte in der
Vermeidung von Kohlehydraten mit hohem glykämischem Index bestehen. Es gibt
hierzu gute Bücher;
Tip: "Glücklich und schlank" von Nicolai Worm, ISBN: 3-927372-26-9
Abzuraten ist nach unserer Erfahrung von der "klassischen" Atkins-Methode..
Frage: Meine Schilddrüse soll entfernt werden. Nun habe ich Angst
vor einer Gewichtszunahme nach der OP. Was soll ich tun?
Antwort: Ein direkter Zusammenhang von Gewichtzunahme und Schilddrüsen-OPs
ist in unserer Praxis nicht bekannt. Allerdings gibt es Untersuchungen die belegen,
dass bei ca. 40% von SD-operierten eine post operative Gewichtszunahme eintritt,
deren Ursache jedoch unklar ist. Spontane Gewichtszu- und abnahmen werden häufig
durch Wassereinlagerungen im Gewebe verursacht.
Autoren:
Prof. Dr. med. Lothar-Andreas Hotze, Mainz
Kerstin Naruhn, Bornheim