
30.03.2007
Deutschsprachige Version
Eine im Januar 2007 in einer amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlichte Studie zeigt, dass bei abendlicher Einnahme des Schilddrüsenhormons Levothyroxin die Resorption offenbar besser ist als wenn die Tablette vor dem Frühstück - seit Langem die „Standardvorgehensweise“ - eingenommen wird.
Vor einigen Tagen war im „Hashimoto-Forum“ (1) ein Thread zum Thema „Abendliche
Schilddrüsen-Hormoneinnahme“ zu lesen. (2)
Grundlage des Threads war die Publikation eines Fachartikels in der amerikanischen
Fachzeitschrift „Clinical Endocrinology“. (3)
Der Artikel stammt von Wissenschaftlern des Erasmus Medical Centre & Medical
Centre Rijnmond Zuid, Rotterdam & Institute for Brain Research, Amsterdam, Niederlande.
(4)
Die Autoren begründen ihre „Pilotstudie“ mit Beobachtungen, dass die TSH Werte
sich deutlich verbesserten, wenn die Einnahme der Tablette abends erfolgt.
Üblicherweise - jeder, der Schilddrüsenhormon regelmäßig einnehmen muss weiß
das -
sollte die Tabletteneinnahme eine halbe Stunde vor dem Frühstück zusammen mit
Wasser auf nüchternen Magen erfolgen.
Die Patienten wurden an zwei Zeitpunkten untersucht:
Es wurden 12 Frauen mit Schilddrüsenunterfunktion untersucht; sie hatten
keine anderweitigen Medikamente, die einen Einfluss auf die Aufnahme des Hormons
ausgeübt hätten.
Die Patientinnen wurden 24h stationär aufgenommen, dabei wurde ihnen in stündlichem
Abstand Blut abgenommen.
Folgende Werte wurden gemessen:
TSH, FT4, T3, T4, rT3, TBG, Gesamtprotein, Albumin.
Ergebnisse:
FT4 war bei abendlicher Einnahme statistisch signifikant (p < 0.01) höher:
19.3 +/- 0.7 pmol/l gegenüber 16.7 pmol/l.
Der TSH Wert war bei abendlicher Einnahme statistisch signifikant (p < 0.01)
niedriger:
1.2 +/- 0.3 mU/l gegenüber 5.1 +/- 0.9 mU/
T3 war statistisch signifikant (p < 0.01) höher:
1.6 +/- 0.1 nmol/l gegenüber 1.5 +/- nmol/l.
Es gab keine Unterschiede zwischen abendlicher und morgendlicher Einnahme
bei:
T4, rT3, Albumin, TBG sowie im Verhältnis T3/rT3.
Die relative Amplitude und die Zeit des nächtlichen TSH Sekretionsprofils blieben
unverändert.
Mit Hilfe eines Fragebogens wurde die subjektive Reaktion auf die Hormoneinnahme gemessen: es zeigte sich kein Unterschied bezüglich der Lebensqualität zwischen morgendlicher und abendlicher Einnahme: 41.5 +/9.9 Punkte (morgens) gegenüber 39.5 +/- 12.2 Punkte (abends).
Die Autoren schlussfolgern, dass die abendliche Einnahme des Schilddrüsenhormons
mit einer höheren T4- und niedrigeren TSH Konzentration verbunden ist und das
zirkadiane (im Tagesverlauf schwankende) TSH Sekretionsprofil unverändert bleibt.
Die Autoren diskutieren, dass die gastrointestinale (im Magen-Darmtrakt) Aufnahme
des Hormons abends besser ist als morgens. Als mögliche Erklärungen dafür diskutieren
sie: Interferenz des Frühstücks – auch bei halbstündlichem Abstand; geringere
Darmmotilität (Darmbeweglichkeit) nachts und damit längere Expositionszeit des
Hormons zur Darmschleimhaut.
Unsere Praxis hat bisher keine eigenen Erfahrungen mit der abendlichen Hormoneinnahme.
Sollten sich allerdings die Ergebnisse im größeren Stil bestätigen, würden wir
natürlich auch mehr Patienten auf die zeitlich veränderte Einnahme umstellen!
Der abendliche Einnahmemodus wird nicht bei allen Patienten funktionieren;
so sind sicher viele Menschen nicht über einen längeren Zeitraum vor dem Schlafengehen
nüchtern – „nüchtern“ in doppelter Bedeutung.
Einige trinken bis zum Ins Bett Gehen Alkohol, andere essen sehr spät, gehen
zum Essen aus oder auf Partys. Auch für Schichtarbeiter dürfte die Umstellung
nicht das Richtige sein.
(C) 2007 Prof. Hotze