
Diese Frage stellte eine Forumsteilnehmerin, bei der eine Operation nach Dunhill geplant war, und die wissen wollte, was auf sie zukommt.
Unter einer Dunhill Operation versteht man in der Schilddrüsenchirurgie folgendes:
Hemithyreoidektomie und subtotale Resektion der Gegenseite - soweit die medizinische
Terminologie.
Ein Lappen wird komplett entfernt, der andere Lappen nahezu vollständig. Nach der Operation bleibt ein Rest von ca. 2 - 3 ml (oder cm3) Schilddrüsengewebe übrig.
Das hängt mit der Erkrankung zusammen, bei der dieses Operationsverfahren bevorzugt eingesetzt wird, nämlich der Basedow Erkrankung. Die Besonderheit bei dieser Erkrankung ist, dass sie eigentlich nicht von der Schilddrüse sondern vom Immunsystem ausgeht. Dieses bildet Antikörper gegen Schilddrüsengewebe; diese Antikörper stimulieren die Schilddrüsenzellen, so dass sie zu viel Hormon herstellen und der Betroffene eine Überfunktion (zuviel SD Hormon im Blut) hat. Ein Teil der Erkrankten kann durch eine Tablettentherapie (sog. Thyreostase, zumeist über 1 - 1,5 Jahre) geheilt werden. Wenn das nicht gelingt, muss das erkrankte Schilddrüsengewebe entfernt werden. Wenn jedoch der verbleibende Rest zu groß ist (z.B. > 8ml) kann die Überfunktion weitergehen, weil noch genügend Zellen da sind, die stimuliert werden können. Ziel ist es daher, sehr wenig Gewebe übrig zu lassen. Oberstes Ziel der OP ist die sichere Beseitigung der Überfunktion und die Vermeidung einer erneuten OP. Daher ergibt sich die beschriebene Vorgehensweise.
Theoretisch ja, praktisch jedoch nein.
Natürlich entstünde nach der OP eine Unterfunktion, weil das verbleibende Gewebe für eine normale und ausreichende Hormonproduktion nicht mehr reichen würde. Dass es dazu nicht kommt, wird bereits am Tag nach der OP SD Hormon in Tablettenform zugeführt. Die genaue Dosis wird dann vom Haus- oder Facharzt 4-6 Wochen später durch eine Blutuntersuchung ermittelt.
Die Stimmbandlähmung
aufgrund einer (unabsichtlich) während der OP entstandenen Verletzung des hinter
der Schilddrüse verlaufenden Stimmbandnervs (Nervus laryngeus recurrens).
Diese Komplikation ist glücklicherweise heute extrem selten, dank der Entwicklung neuer Technologien (z.B. sog. intraoperatives Neuromonitoring, zunehmende Verbreitung der minimal invasiven Methode).
Eine (fast immer vorübergehende) Tetanie
Aufgrund der Mitentfernung der Nebenschilddrüse kann es (zu einer teilweise
Monate dauernden) Absenkung des Calciumwertes kommen. Auch diese Komplikation
wird bereits während des stationären Aufenthalts festgestellt (Blutuntersuchung)
und behandelt (Zufuhr von Calcium und Vitamin D3).
Wie so oft in der Medizin, werden Krankheiten, Diagnose- und Therapieverfahren, medizinische Geräte etc. nach ihren Erstbeschreibern/-Erfindern benannt.
Hier einige SD bezogene Beispiele: Morbus Basedow, Hashimoto Thyreoiditis, Graves´Disease, Kocher´scher Kragenschnitt, Plummerung, Riedel-Struma, Thyreoiditis de Quervain.
So ist es auch bei Dunhill.
Sir Thomas Peel Dunhill wurde 1876 in Tragowel, Bundesstaat Victoria, Australien geboren. Er studierte Medizin in Melbourne (Abschluss 1903). Ab 1907 begann er, Patienten mit Überfunktion zu operieren. Im Jahr 1911 stellte er seine Ergebnisse (von 230 Basedow Patienten mit Augensymptomen und Überfunktion starben nur 4 an den Folgen der OP) in den USA und England vor. 1910 betrug die Sterblichkeitsrate im Londoner St. Thomas Hospital 33%! Nach dem 1. Weltkrieg, in dem er als Truppenarzt diente, wurde er 1920 an das Londoner St Bartholomew Hospital berufen. Er blieb bis an sein Lebensende in England und galt während seiner gesamten Lebenszeit als bester Schilddrüsenchirurg Englands. 1928 wurde er zum Leibarzt George V bestellt, und danach zu dem aller nachfolgenden Monarchen (Edward VIII, George VI und Elisabeth II). 1933 wurde er zum Ritter geschlagen (Knight Commander of the Royal Victorian Order), 1949 erhielt er die höchste Auszeichnung des Orden, das Knight Grand Cross.
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