Newsletter 02/2005

Jod und Hashimoto

Grundsätzlich besteht Konsens innerhalb der Ärzteschaft, dass bei Hashimoto Jod nicht aktiv zugeführt wird (Ausnahme: Schwangerschaft und Stillzeit). Wenn Jod bereits zugeführt wird, in Form von Tabletten oder als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln oder in Medikamenten, wird den Patienten geraten, die Präparate gegen jodfreie Mittel auszutauschen.

Wie sieht es jedoch mit Jod in Nahrungsmitteln aus?

Die Jodzufuhr über Nahrungsmittel hat sich von 1994 bis 2000 ungefähr verdoppelt, von 60 auf 122 µg (Scriba, Meng, Deutsches Ärzteblatt; www.aerzteblatt.de/v4/archiv/lit.asp?id=33088). Auch der Arbeitskreis Jodmangel (Hauptprotagonist der "Jodkampagne" der 90er Jahre) stellt in einer Pressekonferenz Anfang 2005 fest, dass der Jodmangel in Deutschland nahezu beseitigt ist (www.jodmangel.de).

Welche Bedeutung hat die vermehrte Jodzufuhr durch die normale Ernährung aber auf Patienten mit Hashimoto Thyreoiditis oder M. Basedow oder Überfunktion bei Autonomie?

Diese Frage ist Gegenstand einer äußerst kontroversen Debatte.

Auf der einen Seite stehen die "Jodbefürworter", Mitglieder der "Pro-Jod-Kampagne", zumeist Mitglieder des Arbeitskreises Jodmangel (Sprecher: Prof. Scriba). Sie sehen in der gegenwärtigen Situation keine Gefahr einer Überversorgung mit Jod. In einer Pressemitteilung Anfang 2005 (www.pnp.de/journal/artikel.php?cid=29-7370149&Ressort=life&Map=%C2%A7(MAP)&BNR=0)  wird betont, dass für niemanden Nachteile durch die verbesserte Jodversorgung bestehen. Die tägliche Jodzufuhr liegt nach Arbeitskreis Jodmangel bei maximal 500 µg.

Auf der anderen Seite gibt es die "Selbsthilfegruppe Jodallergiker, Morbus Basedow und Hyperthyreosekranken" ( www.jod-kritik.de), die sich vehement gegen die nach ihrer Meinung zwangsweise Jodierung ("heimliche Zwangsjodierung") wehrt. Einige der Diskussionsteilnehmer in dem Forum "Jod-Kritik" formulieren sogar Verschwörungstheorien. Auch der Autor hat schon mehrfach "Schelte" bezogen, mal als Jodbefürworter mal als Jodgegner. Einige Links zu diesem Thema:

www.findefux.de/forum/read.php4?f=9&i=445&t=445
www.findefux.de/forum/read.php4?f=9&i=426&t=426
www.findefux.de/forum/read.php4?f=9&i=409&t=409
www.balance-online.de/texte/075.htm

Interessanterweise widerspricht ein Gutachten der European Food Safety Authority den Aussagen des Arbeitskreises Jodmangel, indem es vorschlägt, den Anteil Jod im Tierfutter zu senken.

Zitat: "Berechnungen, die unter Annahme eines Worst-Case-Szenarios für den Verzehr von Milch und Eiern auf der Grundlage der derzeit zulässigen Höchstmengen an Jod in Futtermitteln durchgeführt wurden, haben jedoch ergeben, dass der Höchstgrenzwert an Jod für Erwachsene und Jugendliche überschritten werden könnte. Durch Senkung der Jodkonzentration auf höchstens 4 mg/kg Alleinfuttermittel für Milchkühe und Legehennen würde ein zufrieden stellender Sicherheitspuffer für den Verzehr von Milch und Eiern erreicht werden". Der gesamte Text kann nachgelesen werden unter: www.efsa.eu.int/science/feedap/feedap_opinions/808_de.html

Demnach scheint es wohl doch möglich zu sein, dass vereinzelt zuviel Jod zugeführt werden kann, da dass Jod aus verschiedenen Quellen stammt, z.B. Fleisch, Milch, Eier, Salz, Fertignahrungsmittel, Getränke. Die Diskussion hierüber wird sicher noch einige Zeit weitergehen.

Neue Trends

Durch Zufall habe ich Ende 2004 einen Newsletter von "Betterhumans.com" abonniert. Wenn man die Artikel dieser Website (www.betterhumans.com) liest und assoziierte Websites aufsucht, wird deutlich, dass die Medizin nur ein - wenn auch wichtiger - Teil einer umfassenderen "Bewegung" ist. Unter den Begriffen "Transhuman", "Betterhuman" oder "Extropy" finden sich Menschen mit sehr unterschiedlichem beruflichem Background (Gerontologen, Ingeneure, Philosophen, Mediziner, Biologen u. a.). Ihre Gemeinsamkeiten lassen sich am besten als eine Reihe von Forderungen an die Gesellschaft und Politik formulieren:

Einer der auffälligsten Protagonisten ist der in Cambridge, England, forschende Biogerontologe Dr. Aubrey de Grey. Er hat die bizarr klingende These von der "engineered negligible senescence" (ENS) aufgestellt. Er vertritt damit die Ansicht, dass der Alterungsprozess durch strategische und gezielte Forschung, Medikamente und Technik zum Stillstand, gebracht, sozusagen "geheilt" werden kann und hält eine Lebenserwartung von 1000 Jahren für möglich. Ein Besuch seiner Website (www.gen.cam.ac.uk/sens/index.html) ist dennoch lohnend, de Grey ist ein brillanter Denker.

Eine ebenfalls sehr aktive Figur ist der in Kalifornien lebende Engländer Dr. Max More, ein Philosoph, der sich als Koordinator für das Zusammenbringen von Zukunftsforschern und innovativen Denkern sieht. Er und seine Frau Natasha nehmen offen Stellung zu politischen Entscheidungen betreffend Gesundheit und Forschung. Hier zwei Zitate zur Haltung von Präsident Bush in Fragen der Bioethik:

"Summit keynotes are addressing the use of the well-known "Precautionary Principle" by anti-biotech activists as a rallying tool to turn people against the science, medicine and biotechnology that could cure disease and improve life."

President of Extropy Institute and Chair of the VP Summit, Natasha Vita-More says, "We have a responsibility to protect ourselves, our children and our loved ones in determining what choices to make about the future of our health. No one has the right to tell us that we must go into the later years of life in crippled or feeble states. No organization, no policy, no person should have the absolute power and authority to hinder scientific and medical advances that can and do help millions of people throughout the world." (www.extropy.org/summit.htm)

Linksammlung

Die Links "Betterhumans" und "Worldhealth" enthalten überwiegend medizinische Inhalte, sie sind immer auf dem allerneuesten Stand.

Die Websites "Transhuman", "Foresight", "Extropy" und "Transhumansimus.de" enthalten Gemischtes aus Kunst, Geschichte, Politik, Technologie. "Foresight" informiert über Nanotechnologie in der Medizin. "Geron" ist die Website der amerikanischen Gesellschaft für Gerontologie.

www.betterhumans.com
www.foresight.org
www.transhuman.org
www.worldhealth.net
www.geron.org
www.wfs.org
www.transhumanismus.de
www.extropy.org

(C) 2005 Prof. Hotze