Hashimoto Thyreoiditis und Selen

Hintergrund

Anfang der 2000er Jahre wurden Daten von Prof. Gärtner, München, publiziert, die darauf hinweisen, dass eine Selen-Zufuhr die Hashimoto spezifischen Antikörper (TPO-AK und TG-AK) senken kann. In einer Anwendungsbeobachtung an Hashimoto-Patienten wurde nachgewiesen, dass unter der täglichen Einnahme von 200 µg Selen die TPO-Antikörper um bis zu 36% absinken.

Damit scheint erstmals so etwas wie eine ursächliche Therapie dieser Autoimmunerkrankung möglich, bisher bestand die Therapie ja ausschließlich in der Hormonersatztherapie mit Schilddrüsenhormon.

Was ist Selen?

Selen ist - ähnlich wie Jod - ein Spurenelement, chemisch ein Halbmetall. Da der menschliche Organismus Selen nicht selbst herstellen kann, muss es durch die Nahrung aufgenommen werden. Da Selen jedoch in stark wechselnder Konzentration im Boden enthalten ist, kommt es oft zur ungenügenden Versorgung und einem Selen-Mangel. Insbesondere in Mitteleuropa besteht generell eine niedrigere Selen-Konzentration der Böden, verursacht durch intensive landwirtschaftliche Nutzung.

Wie wirkt Selen?

Selen gehört zu den Antioxidantien (sog. Radikalfängern = Stoffe, die frei im Gewebe reagierenden Sauerstoff binden). Weitere, bekanntere Antioxidantien sind Vitamin C und E.

Alle Antioxidantien besitzen eine schützende Funktion für Enzymsysteme und Eiweiße, sie verhindern Schädigungen der Zellmembran und auch der inneren Bestandteile der Zelle - z.B. der "Zell-Kraftwerke" (Mitochondrien) und der Erbinformation (DNA).

Durch Selenzufuhr wird offensichtlich auch die Funktionsfähigkeit des Immunsystems verbessert.

Wie viel Selen braucht man?

Der individuelle Selengehalt im Blut kann gemessen werden, jedoch ist diese Messung aufwendig und teuer. Man kann davon ausgehen, dass Menschen, die in Städten wohnen und normalen Umweltbelastungen ausgesetzt sind, einen Bedarf von 100-200 µg pro Tag haben.

Wo kommt Selen natürlicherweise vor?

Mit der üblichen Ernährung werden täglich nur ca. 30-50 µg Selen aufgenommen.

Selen findet sich u.a. in Butter, Räucherhering, Weizenkeimen, brasilianischen Nüssen und Lauch.

Selenreiche Nahrungsmittel sind (Selen in µg/100 g Nahrungsmittel):

Paranüsse: 100 µg
Innereien: 60 µg
Fisch: 30-70 µg
Sojaprodukte 60 µg
Eigelb: 30 µg
Fleisch: 20 µg
Getreide: 10 µg
Vollkornbrot: 2 µg
Milchprodukte: 4 µg
Gemüse: 1 µg

Babynahrung ist selenärmer als Muttermilch.

Welche Möglichkeiten gibt es, den Selenmangel ausgzugleichen?

Selen gibt es als Einzelpräparat, als Tabletten oder Lösungen zum Einnehmen. Sinnvoller ist jedoch die Kombination mit anderen Antioxidantien und/oder Vitaminen (z.B. in Kombination mit Zink, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B-Komplexen und Beta-Karotinen)

Empfehlenswert sind zeitlich begrenzte Selenkuren, eine Dauereinnahme ist nur bei chronischen immunologischen Erkrankungen - z.B. der Hashimoto-Thyreoiditis anzuraten.

Gelegentliche Laborwertkontrollen zur Dosisüberprüfung sind empfehlenswert.

Welche Nebenwirkungen können bei Seleneinnahme auftreten?

Symptome wie Haarausfall, Grauverfärbung der Haare, Nagelverlust, Kopfschmerzen, Leberschäden, Magenbeschwerden oder knoblauchartige Atemluft treten erst bei monatelanger Daueranwendung von über 500 µg pro Tag auf. Die Symptome verschwinden nach dem Absetzen nach 1-2 Wochen wieder.

www.forum-schilddruese.de/bauteile/texte/fs_fachinfo_selen_ait.doc