Carl Adolph von Basedow ist der Namensgeber der so genannten Basedow'schen Erkrankung, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse mit Überfunktion und hervorstehenden Augen.
Die medizinisch korrekte Bezeichnung des Morbus Basedow lautet (lat. Morbus: Krankheit) Immunhyperthyreose (IHT); sie bringt die Kernelemente der Erkrankung zum Ausdruck, nämlich die Beteiligung des Immunsystems und die Überfunktion der Schilddrüse.
Eine gute Beschreibung aller mit der Immunhyperthyreose im Zusammenhang stehenden Details findet sich unter: www.morbusbasedow.de
Carl Adolph von Basedow wurde am 28. März 1799 in Dessau (heute kreisfreie Stadt in Sachsen-Anhalt) geboren. Nach dem Medizinstudium ließ er sich ab 1822 als Allgemeinarzt in Merseburg nieder. Im Jahr 1840 und in erweiterter Form 1848 veröffentlichte er als erster im deutschen Sprachraum seine Beobachtungen, die den Zusammenhang zwischen einer vergrößerten Schilddrüse, hervorstehenden Augen ("Glotzaugen") und beschleunigtem Puls (und Kachexie = Auszehrung) bewiesen. Von Basedow war nicht der erste Arzt, der den Zusammenhang zwischen einer Störung der Schilddrüse und den hervorstehenden Augen beschrieb (s. u.). Sein Verdienst war es, dass er auch andere klinische Symptome, wie Nervosität und Gewichtsverlust ("Glotzaugenkachexie") auf die Schilddrüse zurückführte. Er vermutete auch, dass verstärkte Jodzufuhr ein Co-Faktor für die Erkrankung sei.
Die Symptome: Struma, Tachykardie und Exophtalmus (= hervorstehende Augen) werden als Merseburger Trias bezeichnet. Im kontinentalen Europa wird die Immunhyperthyreose seit 1858 überwiegend als Morbus Basedow bezeichnet, im angelsächsischen Sprachraum hingegen überwiegend als Graves´ disease (s. u.)
Von Basedow starb am 11. April 1854 in Merseburg (Stadt südlich von Halle, Sachsen-Anhalt).
Die ersten Beschreibungen/Hinweise auf die Immunhyperthyreose finden sich jedoch vor der Veröffentlichung von Basedow´s, u. z. Anfang des 19. Jahrhunderts; 1802 und 1820 von den Italienern Giuseppe Flajani (1741-1808) und Antonio Giuseppe Testa (1756-1814).
Im angelsächsischen Sprachraum geht die Erstbeschreibung auf den englischen Arzt Callib Hillier Parry (1755-1822) zurück, dessen Studien/Beobachtungen 1825 posthum veröffentlicht wurden.
Die italienischen Autoren und Parry sahen jedoch nur den Zusammenhang zwischen Schilddrüsenvergrößerung und Herzproblemen.
Es war der irische Arzt Robert James Graves (1797-1853), der als erster erkannte, dass neben schnellem oder irregulärem Puls und Schilddrüsenvergrößerung auch hervorstehende Augen zum Krankheitsbild gehörten.
Graves erkannte auch, dass Frauen sehr viel häufiger erkrankt waren als Männer.
Daher wird im angelsächsischen Sprachraum die Erkrankung seit 1835 fast ausschließlich als "Graves´ Disease" bezeichnet.
Bis zur Einführung der ersten Thyreostatika (= Schilddrüsenblocker; Vorstufen der heutigen Präparate) im Jahr 1943 durch E. Astwood bestand die einzige Therapieoption des M. Basedow in der Operation.
Die Radiojodtherapie (RJT) zur Behandlung der Hyperthyreose wurde ebenfalls im Jahr 1943 eingeführt, u. z. von S. Hertz und A. Roberts (Boston) und C. Leblond (Paris).
C. A. von Basedow
Exophthalmus durch Hypertrophie des Zellgewebes in der
Augenhöhle.
[Casper's] Wochenschrift für die gesamte Heilkunde, Berlin, 1840, 13,14:
197-204; 220-228
C. A. von Basedow
Die Glotzaugen.
[Casper's] Wochenschrift für die gesamte
Heilkunde, Berlin, 1848: 769-777.
Link zum Originaltext
C. H. Parry
Enlargement of the thyroid gland in connection with enlargement
or palpitations of the heart.
Posthumous, in: Collections from the unpublished
medical writings of C. H. Parry. London, 1825, pp. 111-129.
Robert J. Graves
New observed affection of the thyroid gland in females.
(Clinical lectures.) London Medical and Surgical Journal (Reshaw), 1835;
7: 516-517.
Reprinted in Medical Classics, 1940, 5: 33-36.